Hoffnung ist Leben
Hoffnung gehört mit Liebe und Glauben zu den drei christlichen Tugenden. Wenn auch die Liebe die größte ist, bedingen sie sich gegenseitig. Sie machen die irdische Existenz erträglich, um nicht zu sagen, ohne diese Tugenden ist ein menschliches Leben in Würde gar undenkbar.
Blick auf Kap der Guten Hoffnung von Cape Point aus
Das Wort „hoffen“, verwandt mit (engl.) hope, (mittelniederdt.) hopen „hüpfen“, „vor Erwartung unruhig springen“, bedeutet einen grundlegenden inneren Zustand des Menschen, einen Zustand, der sich unter Umständen handlungsleitend auswirkt, bedeutet aber zugleich eine Erwartungshaltung, dass etwas Wünschenswertes in der Zukunft eintritt. Das alles entnehme ich den Definitionen. Ich möchte heute versuchen, die einzigartige Stellung der Hoffnung in unserem Leben aufzuzeigen.
Hoffnung, auch wenn sie von Sorge und Angst begleitet wird, dass das Erwartete nicht eintritt, charakterisiert eine durch und durch positive Einstellung zum Leben im Allgemeinen und zu der eigenen Existenz im Besonderen. So begleitet die Hoffnung den Menschen im Täglichen, in der Lebensplanung und greift in das Nachtodliche hinein. Nicht umsonst ist Hoffnung eine der drei göttlichen oder christlichen Tugenden; ihre Wirkung reicht weit in die Zukunft hinein, ja, sie erzeugt im gewissen Sinne die Zukunft: So, dass wir uns diese vorstellen können, ein Bild vor ihr erschaffen können. Hoffnungslosigkeit dagegen schneidet den Menschen vom morgigen Tag ab, raubt ihm das Licht, folglich lässt sie das göttliche Element aus dem Leben verschwinden. In diesem Sinne ist die Hoffnung das Bindeglied zwischen dem irdischen Leben und der geistigen Welt.
Interessant ist der Bezug, auf den Kant in der Kritik der praktischen Vernunft aufmerksam macht, dass nämlich die Würde des Menschen unmittelbar von der Anwesenheit der Hoffnung, der hoffnungsvollen Erwartung auf die gewünschte Entwicklung abhängt, der der Mensch entweder selbst den Anschub leistet oder sich gänzlich auf ein günstiges Schicksal verlässt. Das Gleiche gilt auch für den Glauben und die Liebe. Kurz gesagt: Hoffnung, Liebe und Glaube sind die drei Aspekte des Menschseins. Sie generieren Würde, Humanität, Großzügigkeit, Dankbarkeit, die Kraft zu verzeihen und vieles mehr.
Der Sinn des Lebens besteht darin, zu lieben. Zu lieben in allen Facetten dieser Seelenregung. Unsere Hoffnung und unser Glaube sind darauf gerichtet, unser Herz an immer mehr Menschen zu vergeben. Wir lieben diese Menschen und durch diese Menschen hindurch lieben wir Gott. In diesem kurzen Satz verbirgt sich eine tiefe Wahrheit. Mehr darüber werde ich in einem der nächsten Einträge schreiben, den ich vor allem der Liebe widmen werde. Heute möchte ich nur andeuten, dass unsere Hoffnung auf das allerwichtigste auf der Welt, die Liebe, gerichtet ist. Und mit unserer Hoffnung auch der Glaube.
So wie die Liebe für uns die größte Freude bedeutet, so ist die Hoffnung eine Kraft, die alle gewesenen Enttäuschungen oder Verfehlungen immer wieder aufs Neue beseitigt. Kurzum, wir hoffen unaufhörlich auf die Erfüllung der Liebe: Alles ist möglich, die Aussichten sind da, das Glück ist greifbar – das ist die Hoffnung. Glaube, Liebe, Hoffnung – sie sind somit also der Antrieb, der uns befähigt, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, sie ermutigen uns, das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft zu beeinflussen und zu gestalten. Die Liebe reicht aber weiter: Sie erstreckt sich auf die Umwelt, in der wir leben, auf die Natur. So lieben wir im Menschen das Ebenbild Gottes und in der Natur das göttliche Prinzip. Hier geht es aber ganz und gar nicht ums Romantisieren oder darum, nach irgendwelchen idealisierten Zuständen zu suchen. Alles Interesse für die Natur ist auf Respekt für die Naturgesetze gegründet. Im Menschen sucht die Liebe das Wahre in ihm, seinen inneren Kern.
Der mit der Liebe Beschenkte kann sich aber aufgrund seiner eigenen Freiheit, gegen diese Liebe entscheiden, gegen den Liebenden, er kann Hoffnungen des Anderen zerstören. Deshalb bleibt die Hoffnung auf irdisches Glück vage und brüchig. Diese irdische Hoffnung begleitet die Menschen jedoch unaufhörlich, ist notwendig wie Luft zum Atmen. Sie kann aber letztendlich nie erfüllt werden, denn auf dieser Welt kann es kein endgültiges Reich der Glückseligkeit – des Guten also – geben. Aus zweierlei Gründen: Weil jeder Mensch die Freiheit besitzt, andere Entscheidung zu treffen und das so erhoffte Paradies zu verunmöglichen und weil die Erfüllung der Hoffnung deren eigentliches Ende bedeuten würde. Unser Leben, wie wir es kennen, ist grundsätzlich nicht auf einen Zustand der Glückseligkeit ausgerichtet. Wer Glück auf Erden verspricht, macht eine falsche Verheißung. Folglich kann das Leben nicht ohne Enttäuschung, Leid, Krankheit und Schmerz sein. Das Bemühen, die Hoffnung zu erfüllen, bedeutet, dieses Leid und diesen Schmerz so gut wie möglich zu lindern. Diese Hoffnung soll jedoch nicht die einzige bleiben. Bleibt sie es, wird das Leben auf Dauer hoffnungslos und leer, voller Enttäuschungen und nicht erfüllter Erwartungen.
Die christliche Hoffnung besteht darin, über das Leben und über den Tod hinaus Liebe und Leben, das wahre Leben, zu erwarten. Hier ist es wichtig zu unterstreichen, dass diese Hoffnung niemanden ausschließt. Sie wurde in früheren Zeiten als Hoffnung auf die Erlösung verstanden. Heute dagegen glauben und hoffen die Menschen kaum an die Erlösungskraft der Liebe Christi; der heutige Mensch erwartet die Erlösung im Irdischen – von der Wissenschaft, vom Fortschritt. Eine besondere Hoffnung, die auf den Fortschritt durch Revolutionen, sie hat sich in der Vergangenheit zerschlagen, sie ist definitiv enttäuscht worden. Gut, dass die Welt diese Erfahrung hinter sich hat, schade, dass so viele Menschen ihre Opfer geworden sind.
Nur Liebe kann erlösen, die unbedingte Liebe: „… Weder Tod noch Leben, … weder Gegenwärtiges und Zukünftiges, weder Gewalten … noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus ist …“ (Röm 8, 38-39). „Wenn es diese unbedingte Liebe gibt mit ihrer unbedingten Gewissheit, dann – erst dann – ist der Mensch ‚erlöst‘, was immer ihm auch in einzelnen zustoßen mag“, so Benedikt XVI. in seiner zweiten und bis heute letzten Enzyklika Spe salvi.
So bleibt die Liebe unsere Hoffnung.
Glaube, Liebe, Hoffnung sind die sichtbaren Zeichen der tiefen Verbindung zwischen dem Menschen und der göttlichen Welt.

Samstag, 31. Oktober 2009 22:10
Seit seinem Erscheinen habe ich den Beitrag unzählige Male gelesen, da mich das Thema nicht nur theoretisch interessierte, sondern für mich, wie man heute sagt, hochaktuell war. Ich habe darin einigen Trost gefunden, da es immer leichter ist, etwas zu verstehen und zu ertragen, wenn man weiß, warum es so und nicht anders geschieht.
Eine Sache bedarf aber der Erklärung. Ich zitiere und kürze dabei ab: „Der mit der Liebe Beschenkte kann sich aufgrund seiner eigenen Freiheit gegen den Liebenden entscheiden, er kann die Hoffnungen zerstören.”
Ich frage mich immer wieder: Ist die Entscheidung gegen die Liebe, gegen eine konkrete und nicht theoretische, künftige, göttliche oder welche auch immer abstrakte Liebe, wirklich eine Entscheidung für das Böse? Der Schenkende wird enttäuscht, seine Hoffnung zerstört, sein Herz gebrochen (was auch wörtlich verstanden werden kann), davon gehen wir jetzt aus. Warum wird jedoch die Zurückweisung dieses Geschenks verurteilt? Müssen wir denn jede Liebe erwidern, die uns entgegengebracht wird?
Sonntag, 1. November 2009 23:13
Liebe Magda,
danke für Deine Fragen!
Ich habe vor sehr vielen Jahren ein Gedicht gelesen, sein Titel ist n wörtlicher Übersetzung „Der Schatz“. Dieses Gedicht hat mich zutiefst geprägt und ich sehe es mit dem Dichter so, dass die uns geschenkten Gefühle – ob das Liebe ist oder Freundschaft oder „nur“ Zuneigung – unser größter Schatz sind. Das Wort „Schatz“ in unserer Sprache genügend missbraucht für jede Alltagssituation, so dass seine Bedeutung uns entgeht. Wenn ich überlege, dass menschliche Sympathie, reine Sympathie zu meiner Person eine ausgesprochene Seltenheit ist, so bin ich herzlich bemüht, diese Sympathie nicht zu verletzen, auch wenn ich sie nicht unbedingt erwidern kann. Ich behalte sie in meinem Gedanken und wärme mich in ihr. In diesem Gedicht werden die uns geschenkten Gefühle mit Edelsteinen verglichen. Diese Imagination habe ich so sehr verinnerlicht, dass ich nicht anders kann, als eine tiefe Dankbarkeit für diesen mir geschenkten Diamant zu empfinden. Auch wenn ich zweifelhafte Angebote , die mit Liebe verbrämt werden, dann doch zurückweisen muss, behalte ich in dankbarer Erinnerung das bisschen an Sympathie. Dankend lehne ich alles andere ab. Die Verletzung bei demjenigen dürfte sich in Grenzen halten… Deshalb ist das nicht unbedingt böse – ob es sich um „Liebe“ zwischen Mann und Frau handelt oder die Liebe zwischen Eltern und Kindern. In Anführungszeichen deshalb, weil oft über Liebe gesprochen wird und gemeint ist das eigene Ego. In jeglicher Ausprägung. Wenn mir jemand von Liebe erzählt und ich (leider) sehen muss, dass es gar nicht um mich geht nur um ein bisschen Macht über mich, dann muss ich – auch schweren Herzens solche „Liebe“ zurückweisen.
Ich glaube auch nicht, dass in solchem Fall ein Herz gebrochen wird. Höchstens das Ego verletzt. Das ist aber gar nicht schlimm, denn es könnte zum Nachdenken führen – bei der anderen Person. In dem Fall ist es sogar gut
…
Wenn aber eine Mutter die Liebe des Kindes zurückweist, es gibt genug solche Fälle, dann ist die Enttäuschung der Hoffnung gleich Zerstörung, weil das Kind sein Leben lang mit den Folgen der Zurückweisung kämpfen wird und vielleicht kann sich nicht mehr entfalten, wie es im Glanze des Schatzes der Mutterliebe möglich wäre.
Dienstag, 3. November 2009 11:15
Danke für die Antwort. Sie hat alles behandelt, worüber ich nachdenken musste und was mir beim Lesen des Beitrags nicht klar war.
Auch wenn mann das Ego außer Betracht lässt – wie sollte man es von der gesamten Persönlichkeit trennen? –, es geht hier vor allem um das Gleichgewicht der Gefühle und die Hoffnung der einen Seite, dass die ausgesandte Sympathie erwidert wird. Es geschieht aber tatsächlich seltener, als man zuerst denken würde.